Verdammt! Warum musste das denn nur passieren?

Heute vor 7 Tagen wachte ich mit einem Hörsturz auf. So ein Mist! Seitdem führe ich mit meinem Körper liebevolle Streitgespräche. Jetzt ist Zeit für einen Rückblick, Vergebung, Annehmen und heilsame Prozesse.

Die Reaktionen auf mein „Outing“ zum Hörsturz reichten von: „OMG! 😱“ über zahlreiche anteilnehmende Worte von ebenfalls Betroffenen, Genesungswünsche und Warnungen bis hin zu: „DU? Das hätte ich nicht erwartet.“

Naja, ganz ehrlich – ich auch nicht. 😉

Verrückt erscheint es (und damit habe ich mir innerhalb der Familie einige „Schmunzler“ eingefangen), dass mir das passieren musste, mitten in der Produkterstellung und Einführung des „Erste Hilfe Koffer Alltagsstress“, einem digitalen Selbstlernkurs mit tollen Video-Anleitungen, Workbooks und sonst einigen Extras.

Verrückt oder nicht, passiert ist passiert.

Faktencheck

Jedes Jahr erleiden etwa 150.000 Menschen in Deutschland einen Hörsturz. Von einem Moment auf den anderen hören sie zumeist auf einem Ohr nichts mehr – oder zumindest nur noch stark gedämpft. Häufig leiden sie unter störenden Geräuschen, etwa unter einem Fiepen, und verspüren ein Druckgefühl im Ohr.

Die genauen Ursachen für einen Hörsturz sind nicht abschließend geklärt. Häufig bestehen vermutlich durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren Durchblutungsstörungen des Innenohres. Die Schnecke im Innenohr und das dort angesiedelte Hörorgan werden über das Blut mit Nährstoffen versorgt. Durchblutungsstörungen führen dazu, dass die Versorgung mit Nährstoffen und der Abtransport von Stoffen behindert wird. Durch eine verminderte Durchblutung werden vor allem die Sinnes- bzw. Haarzellen des Hörorgans geschädigt, wodurch die Druckschwingungen von Schallwellen nicht mehr richtig aufgenommen werden können.

Mögliche Auslöser einer Durchblutungsstörung im Ohr

Die Durchblutungsstörungen können beispielsweise in Folge von Stress oder Problemen mit der Wirbelsäule auftreten. Die vermehrte Ausschüttung von Adrenalin bei emotionaler Anspannung sowie Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule (auch im Zuge eines Schädeltraumas bzw. „Schleudertraumas“) können die Durchblutung im Ohr mindern. Blutdruckschwankungen, ein Schlaganfall oder Grunderkrankungen, speziell Stoffwechselprobleme wie z.B. Diabetes mellitus oder Herzerkrankungen, die zu Gefäßveränderungen im Innenohr führen, können sich ebenfalls ungünstig auf die Durchblutung im Ohr auswirken und einen Hörsturz begünstigen.

Neben Durchblutungsstörungen wird noch eine Reihe weiterer möglicher Ursachen für einen Hörsturz diskutiert, hierzu gehören z.B.:

    • Virusinfektionen, die das Innenohr schädigen, z.B. im Rahmen von einer Influenza, von Masern, Mumps, einer HIV-Erkrankung oder Herpes-Erkrankung (Infektion mit Herpes zoster- oder Herpes simplex-Viren).
    • Bakterielle Infektionen, die ebenfalls mit entzündlichen Veränderungen des Innenohres einhergehen, z.B. in Folge einer Mittelohrentzündung oder einer Borreliose.

Neben Stress gelten ein erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und übermäßiger Nikotingenuss als Risikofaktoren eines Hörsturzes.

Ausführliche Informationen findest Du hier: https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/hoersturz/ursachen-und-risikofaktoren.html

Zurück zu meinem ganz eigenen Stressnotfall

Die Frage nach dem „Warum“ stelle ich mir natürlich, wie vermutlich viele Betroffene auch. Allerdings gehe ich hier – wie immer in meinem Leben sehr pragmatisch vor.

Ja, ich habe Stress. Wer nicht? Kann ich damit umgehen? JA. Das sollte als Entspannungstrainerin auch so sein – auch wenn „der Schuster ja bekanntermaßen die schlechtesten Leisten hat“. Das kann ich mir jedoch nicht bescheinigen. Ich verfüge über ein ordentliches Resilienz-Polster und unzählige funktionierende Strategien zur Stressbewältigung. Solche, die ich auch regelmäßig im Alltag anwende und praktiziere.

Vielleicht war Stress gar nicht das Problem? Solange ich denken kann, zumindest seit meiner frühen Jugend habe ich Probleme mit der Wirbelsäule. Ich habe ein erblich bedingtes Wirbelgleiten, von dem ich weiß, dass es mit zunehmenden Alter Probleme machen kann und auch schon macht.

In den letzten Wochen habe ich in einem hohen Maße Zeit an meinem Schreibtisch verbracht und an meinem PC gearbeitet. Die für mich eher ungewohnte Körperhaltung hat spürbar zu Verspannungen im Schulter und Nacken Bereich geführt und auch meinen Atlaswirbel über die Maßen belastet, was ich schmerztechnisch deutlich spüren kann.

Die liebevollen Nackenmassagen meines Mannes sind zwar wahrhaft Balsam für die Seele, aber kein probates Mittel, um diese ernsthaften Symptome sinnvoll zu lindern. 😉

Also was war denn nun der Auslöser?

Nun ja, wenn ich so in mich hineinlausche, bin ich mir sicher, dass eine Kombination mehrerer Umstände dazu führte. Was im Übrigen nicht verwunderlich ist. Selten ist eine Sache nur schwarz oder weiß. Meist kommen mehrere Zutaten zusammen, bis die Suppe fertig ist, die wir dann zu löffeln haben.

Ein deutlich erhöhtes Arbeitsaufkommen, eine deutlich erhöhte Anspruchshaltung (da muss ich wieder einmal an Glaubenssätze ran), eine ungewohnte Körperhaltung, in Summe zu viel Zeit am Schreibtisch, eine vorbelastete Wirbelsäule und viel zu viel Lebensenergie, die dem gegenübersteht.

Richtig! Ich HABE Energie. Und davon verdammt viel. Überdurchschnittlich viel, wie ich aus der Erfahrung mit mir selbst weiß. In meiner körperlichen Hülle wohnt eine geradezu explodierende Energie, die zu jeder Zeit gelebt werden will – und die letzten 47 Jahre auch leben durfte.

Und nun? Nun meldet sich da ein alternder Körper (ja, ab 30 geht es abwärts) zu Wort und bittet um Gnade. Sorry, sehr pathetisch, aber genau so fühlt es sich gerade an. 😅

Mein Körper und ich

Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte meinen Körper besonders gut behandelt 47 Jahre lang. Ich war in meiner Jugend in der Leichtathletik im Leistungssport und habe später viele Jahre Volleyball gespielt. Nichts was ich heute unter „gut mit dem Körper umgehen“ verbuchen würde.

Meine Begeisterung für den Sport lag erst im Wettkampf- und später Gemeinschaftscharakter, nicht in der Idee von Wohltat für Körper und Geist. Es folgten Jahre, in denen meine ganze Energie dem Streben nach beruflichem Erfolg gewidmet war. Und ja, ich habe Erfolge gefeiert. 😋

Wenn ich im Keller mal wieder Kisten mit Erinnerungen rücke, drohe ich meiner Familie manchmal im Scherz, irgendwann mit allen Zeitungsberichten, die von meinem Tun zeugen, die Wohnung zu tapezieren. 😂 Von Wohltat und Sorge um meinen Körper kann in der Hochphase meiner beruflichen Erfolge, wohl nicht die Rede gewesen sein – abgesehen vielleicht von ein paar stimmungsvollen Schaumbädern.

Dann wurde ich ungeplant und überraschend Mutter und begegnete meiner größten Herausforderung in einem verhaltens-originellem Kind mit besonderen Bedürfnissen. Es folgten aufopfernde und erstmals Kräfte zehrende Jahre, angesichts einer eigenen Ohnmacht, die es auszuhalten gab.

Naja und wer mich kennt, weiß, dass aushalten jetzt keine Kernkompetenz von mir ist. 🙈 Also meisterte ich diese Lebensphase nicht nur mit viel Energie, sondern machte aus ihr mein Meisterstück. 😉

Viele Mütter verstehen vermutlich und/oder kennen die traurige Realität, dass der eigene Körper sträflich vernachlässigt, wird in dieser Lebensphase. Man schafft ja kaum einen Single-Toilettengang, geschweige denn eine Stunde Vollbad mit anschließendem Beauty-Programm. 😅 Vor allem nicht, als alleinerziehende Mutter.

Aber auch diese Lebensphase habe ich mit der mir eigenen Resilienz und Energie unbeschadet überstanden. Mit einer neuen Form von Energie – gefüllt mit viel Lebenserfahrung, neuen Sichtweisen und vor allem einer Vielzahl neuer Strategien wagte ich in den vergangenen Jahren meine berufliche Umorientierung und letztlich den Schritt zurück in die Selbstständigkeit. Hier fühle ich mich wohl. Im selbstbestimmten täglichen Tun bin ich zu Hause und kann meiner Energie genügend Platz geben.

Oder auch nicht? Nicht mehr? Nicht mehr im gewohnten Maße?

In einem Kopf und meinen Schubladen leben Projektideen für die nächsten 30 Jahre. Grenzen im Denken kenne ich dabei nicht. Kannte ich noch nie. Was fällt diesem Körper ein, JETZT nicht mehr mithalten zu wollen?

Neue Lebensfragen

Bin ich achtsam im Umgang mit mir selbst? Nehme ich Rücksicht auf meinen Körper? Hm…. Ich dachte wirklich, dass ich dies tu. Und ganz ausschließen möchte ich es immer noch nicht. Aber vielleicht gilt es nicht die Frage zu beantworten, ob ich achtsam war oder nicht. Möglicherweise war der Blickwinkel der Falsche. Vermutlich muss ich meinem Körper zugestehen, dass er tatsächlich das RECHT hat schwächer und anfälliger zu werden. Schließlich ist das Konstrukt ja nicht für die Ewigkeit gebaut. 😉

Da drängen sich Gedanken auf. Gedanken der eigenen Endlichkeit. Lästige unbequeme Gedanken. Gedanken, denen ich in so vielen Jahren zuvor keinen Raum gegeben habe. Auch nicht geben musste.

Jetzt ist also die Zeit reif. Reif für Rückblick, Vergebung, Annehmen und heilsame Prozesse. Der Rückblick fällt mir nicht schwer. Mit klarem wachem Verstand kann ich resümieren, dass ich IMMER meiner Energie und damit mir selbst den größten Raum gegeben habe. Das mein Körper, die zweite Geige spielte und ich ihm deutlich weniger Beachtung schenkte, empfinde ich nicht als Fehler.

Wir sind jung, wir sind dynamisch, wir sind voller Energie und haben eine leere Leinwand vor uns die gestaltet werden will. Das Leben WILL gelebt werden.

Deshalb kann ich mir gut vergeben, meinen Körper nicht höher priorisiert zu haben. Ich hadere rückblickend nicht mit mir:

  • geliebt und gestritten zu haben,
  • genossen und geschlemmt zu haben,
  • Nächte zum Tag gemacht zu haben,
  • für Projekte, für die ich brannte, Überstunden gemacht zu haben,
  • nachts an der Bettkante meines Sohnes gewacht zu haben,
  • für Freunde alles stehen und liegen gelassen zu haben, um in größter Not beizustehen oder vor Freude zu tanzen.

Ich habe gelebt! Jedes Jahr, jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde bis hierher. Und ich habe bisher befeuert von meiner eigenen Energie ein reiches und erfülltes Leben gelebt.

Rückblick und Vergebung fallen mir leicht. Annehmen ist der nächste Schritt.

Und tatsächlich komme ich seit Tagen dem Gefühl auf die Spur, annehmen zu können, was mein Körper mir vermitteln möchte. Und schöner noch finde ich, dass ich es nicht nur annehmen kann, sondern dass ich es DANKBAR annehmen kann. 💖

Jetzt mag so ein Hörsturz für die meisten keine Lappalie sein. Ich spüre keinen zu hohen Druck oder Angst dabei. Das entspricht auch nicht meinem Naturell. Ich sehe es als lieb gemeintes Zeichen. Vehement ja – aber immer noch lieb gemeint. Zu mir und meinem Körper würde auch kein leises bescheidenes Flüstern passen, oder?! Mein Körper muss sich schon anstrengen, um sich Gehör zu verschaffen. (was ein Wortspiel angesichts des Hörsturzes 😉) Das hat er jetzt erfolgreich getan und ich bin ihm dankbar dafür.

Er hat nicht gebrüllt wie ein Löwe, mich nicht abgestraft oder völlig ausgebremst – aber er hat sich nachdrücklich genug, Gehör verschafft, um eben NICHT überhört zu werden. Dafür bin ich wirklich zutiefst dankbar. 🙏🏻❤

Ich freue mich auf heilsame Prozesse

Bei Unterhaltungen über das Alter höre ich häufig den Satz: „Man ist so alt wie man sich fühlt.“ Ich bin 47 Jahre alt und so fühle ich mich heute auch. Mein Körper ist nicht taufrisch, die Haare werden zunehmend und sichtbar grau, die Haut verliert an Elastizität und auch meine unbändige Energie, ist nicht mehr die, die sie vor 20 Jahren war. 😉 (Aber hey, trotzdem nicht zu unterschätzen.)

Und vor allem will, diese Energie noch immer gelebt werden. Und genau das habe ich vor. Was nutzt es mir, jetzt zu erstarren, meine Energie einzusperren oder zu unterdrücken? Abgesehen davon, dass ich mir das überhaupt nicht vorstellen kann, bin ich überzeugt, dass es mich nicht glücklich und dauerhaft vermutlich wiederum krank machen würde. Mental krank!

Also werde ich mich, auf spannende und neue Wege einlassen. Wege die meinen Körper und meine Energie gleichermaßen und vor allem gleichberechtigt gehen können. Wie diese Wege aussehen werden, weiß ich heute noch nicht. Aber ich freue mich wirklich darauf. Es hat ein wenig den Hauch von Abenteuer.

Beginnen werde ich damit, meinen „Ersten Hilfe Koffer Alltagsstress“ fertig zu stellen und danach eine Advent-Pause einlegen, um den Bedürfnissen meines Körpers Rechnung zu tragen. Ich freue mich wieder auf ausgedehnte Schaumbäder, Saunabesuche (die ersten Termine sind fest eingeplant), kuscheln auf dem Sofa und Entspannung in der Natur.

Und genauso freue ich mich auf kreatives Brainstormen, Projektplanungen, neue Herausforderungen und meine ganz alltägliche Arbeit als Gesundheitscoach, Entspannungstherapeutin, Trainerin und Dozentin.

Wie steht es um Dich und Deinen Körper?

Welche Erfahrungen machst Du gerade oder hast Du bereits gemacht? Geht es dir ähnlich wie mir oder denkst Du völlig anders darüber? Mich interessiert wie immer, DEINE Meinung zum Thema. Deshalb freue ich mich über Feedback. Gern hier in den Kommentaren, oder per Mail.

Herzlichst Deine Konstanze